Wohnfeld

Wohnfeld

Das genaue Gründungsdatum des Dorfes Wohnfeld ist nicht bekannt. Wahrscheinlich liegen die Anfänge der Ortschaft in der ersten Rodungszeit, also zwischen 600 und 1100 n.Chr.. Die Endung "-feld" im Namen deutet darauf hin. Die erste urkundliche Erwähnung fällt ins Jahr 1353. In einer Urkunde belehnt Heinrich von Isenburg in einem Brief den "Clas von Sassen" mit dem Zehnten verschiedener Dörfer, darunter auch "Wonefelde".

Es fällt auf, daß zusammen mit Wohnfeld fast immer der Name Lienscheid oder eine Abwandlung davon fällt. Lienscheid war eine in der hiesigen Gemarkung liegende Wüstung. Der Ort Lienscheid (Volksmund Lisch) wurde - ebenso wie Wohnfeld - 1353 zum ersten Mal urkundlich erwähnt; das letzte Mal wird es 1521 erwähnt. Im Jahre 1585 erscheint es nur noch als Flurname. Es ist also anzunehmen, daß das Dorf Lienscheid kurz nach 1500 ausging. Gründe dafür sind nirgends bekannt. 

Vermutlich aber waren es Seuchen, wie z.B. die Pest, übermäßiger Wildschaden und Verwüstung infolge von Fehden, die zur Aufgabe des Ortes zwangen.Das Jahr 1611 ging als Pestjahr in die Geschichte des Dorfes ein. Die Krankheit wütete in der Gegend bitterlich und machte auch vor Wohnfeld nicht halt. Auch 1613 und 1624 waren Pestjahre. In 1613 starben in Bobenhausen 140 Menschen und in Wohnfeld waren ähnliche Opfer zu beklagen. Aus einer Eintragung im Kirchenbuch aus dem Jahre 1881 geht hervor, daß das Dorf keinen eigenen Friedhof hatte. Nur in Pestzeiten war es erlaubt, in Wohnfeld Tote zu bestatten. Wo dies aber zu normalen Zeiten geschah, ist nicht bekannt.

In 1622 marschierten die Kriegsscharen des "Tollen Christian", eines protestantischen Feldherrn, Richtung Süden und kamen dabei auch nach Wohnfeld. Wie aus den Aufzeichnungen eines gewissenhaften Amtmannes von Ulrichstein zu entnehmen ist, ist es damals zu furchtbaren Greueltaten an der Wohnfelder Bevölkerung gekommen.

Aus anderen Aufzeichnungen ergibt sich, daß Wohnfeld früher vier Mühlen hatte. Das deutet darauf hin, daß es sich um kein armes Dorf handelte. Unterhalb der heutigen Schneidtmühle stand früher noch eine weitere Mühle, die "Rappelmühle". Sie stand im 16. Jahrhundert noch nicht. Ein Brand vernichtete das Gebäude bis auf die Grundmauern.

Heute dreht sich das Mühlrad nur noch auf der "Hahnmühle" unterhalb von Wohnfeld. Eine ausführliche Darstellung zur "Hahnmühle" finden Sie unter

www.karuszel-gebirgs-kulturen.de (Höfe und Mühlen).

Wohnfeld Peter Fuchs

Wohnfeld besaß zur Reformationszeit eine Filialkirche, die aber schon vor der Reformation erbaut worden war. Die Kirche war lange Zeit in einem baufälligen Zustand, bis im Jahre 1711 einer Reparatur durch den Landgrafen zugestimmt wurde. Doch schon 1775 war das Gebäude wieder baufällig. Es wurde bewogen, ob es nicht zweckmäßiger sei, die auf sehr sumpfigem Grund stehende Kirche an einem anderen Platz zu erstellen, sowie sie ganz aus Steinen zu bauen. Im Jahre 1807 wurde die neue Kirche vollendet. Am 14. Juli 1836 schlug ein Blitz in den Kirchturm ein und verursachte erheblichen Schaden.

Vom 10. Sept. 1812 ist ein Großbrand gemeldet, dessen Ursache unbekannt blieb. Dem Brand fielen zwölf Menschen, zehn Scheunen und sieben Stallungen zum Opfer.

1817 hatte Wohnfeld 405 Einwohner, also mehr als heute. Heute zählt der Ort noch 262 Einwohner.

Im Ort steht ein alter Sandstein-Dorfbrunnen, der im Jahre 1733 errichtet wurde. Er diente dem größten Teil der Bevölkerung zur Wasserversorgung. Einige wohlhabende Bauern hatten damals ihren eigenen Brunnen im Hof, während sich die anderen das Wasser vom Dorfbrunnen holen mussten.Der Bau einer öffentlichen Wasserversorgungsleitung im Jahre 1906 brachte dann allen Einwohnern das Wasser ins Haus.

Der Dorfbrunnen steht heute unter Denkmalschutz und kann als Wahrzeichen des Dorfes Wohnfeld bezeichnet werden. Eine Fotografie ist nachfolgend abgebildet.

Im Jahre 2000 wurden auf der "Alten Höhe" zwischen Wohnfeld und Altenhain 10 neue Windkraftanlagen errichtet. Dieser Gemarkungsteil ist ein altgermanischer Opferplatz gewesen. Im Althochdeutschen bedeutete das Wort "olah" Kult- oder Opferplatz. Im Mittelhochdeutschen wurde es zu "ale" und "ole" abgewandelt.

Peter Fuchs

Von besonderer Bedeutung für den Stadtteil Wohnfeld ist der bekannte Heimatdichter Peter Fuchs aus Wohnfeld. Er verfasste zahlreiche Gedichte und Schwänke in Vogelsberger Mundart. Peter Fuchs wurde am 12.04.1863 in Wohnfeld geboren. Er erlebte seine Kindheit in ärmlichen Verhältnissen. Schon früh musste er Hütedienste leisten und arbeitete als junger Mann als Knecht bei Louis Groh II. Nach dem frühen Tod seiner Mutter zog er zur Großmutter nach Gießen, wo er sich zum Militärdienst für 12 Jahre verpflichtete. Nach langen Jahren des Militärdienstes war er als Obertelegrapheninspektor in Offenbach tätig. Er starb am 11.05.1930 in Gießen und wurde in Wohnfeld bestattet. Sein Grabstein wurde bei der Flurbereinigung und der Neugestaltung des Friedhofes, wahrscheinlich 1964, im Zuge der Begradigung des Streitbaches und der Entfernung des Kriegerdenkmals (1. Weltkrieg), mit anderem Material beseitigt und verschüttet

Trotz seiner Popularität wurde danach kein Gedenkstein aufgestellt, was nun im Sommer 2001, auf eine Initiative von Uwe Jache, Mitglied des Vereins Karuszel-Gebirgskulturen e.V., mit Genehmigung des Magistrates der Stadt Ulrichstein realisiert wurde. Der Basaltgedenkstein wurde am Grabplatz aufgestellt. Schon im Jahr 1931 - ein Jahr nach seinem Tod - wurde eine hölzerne Erinnerungstafel am Haus "Peter-Fuchs-Str. 20" in Wohnfeld angebracht. Diese Gedenktafel wurde von seinen Freunden des Vogelsberger Höhenclubs gestiftet und seit ihrem Anbringen wird diese erfreulicherweise jährlich vom VHC gepflegt. Die abgebildete Fotografie von Peter Fuchs stammt aus dem Jahre 1928 und wurde anlässlich des damaligen Prämienmarktes in Wohnfeld aufgenommen.

Wohnfeld

Eine ausführliche Biographie und Zeitgeschichte über den Heimatdichter Peter Fuchs wird demnächst unter www.karuszel-gebirgs-kulturen.de (Überschrift "Literatur") veröffentlicht werden.

Das Vereinsleben in Wohnfeld wird durch den Sportverein Wohnfeld mit seinen Abteilungen, die Freiwillige Feuerwehr und die Jagdgenossenschaft Wohnfeld aktiv gestaltet.

HINWEIS: Die verwendeten Bilder sind urheberrechtlich geschützt.

(© Uwe Jache, Wohnfeld)