Ulrichsteins neuer Bürgermeister Edwin Schneider vereidigt

Edwin Schneider
Neu-Bürgermeister Edwin Schneider legt seinen Diensteid ab

Bericht und Fotos: Dieter Graulich

„Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Ulrichstein haben Sie am 6. November mit 54,2 Prozent zu ihrem Bürgermeister gewählt. Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann, zumal bei insgesamt vier Gegenkandidaten“, so Stadtverordnetenvorsteher Heiko Müller am Freitagabend bei der Amtseinführung des neuen Bürgermeisters Edwin Schneider. Das Wahlergebnis mit 54,2 Prozent bezeichnete er aber auch als ein großes Stück Vertrauensvorschuss, dem es nun gelte, gerecht zu werden. Die Politik des neuen Stadtoberhauptes sollte zuverlässig, gradlinig, ehrlich und nicht spektakulär sein. Im Rathaus gehe es nämlich weniger um Spektakel, sondern um eine verantwortungsvolle Amtsführung: „In den letzten Wochen habe ich Sie als ruhigen und sachlichen Menschen kennen gelernt. Von daher mache ich mir um das Spektakel keine Sorgen.

Als Bürgermeister der Stadt Ulrichstein werden von Ihnen Begeisterung und Erfolgsorientiertheit erwartet, denn vor Ihnen und uns allen liegen große Aufgaben“, so Heiko Müller, der selbst einer der Gegenkandidaten war und Platz zwei belegte. Ab dem heutigen Tag seien aber auch die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Ulrichstein ein Stück weit gefordert: „Wir alle haben nun einen neuen Bürgermeister, der sich zum einen zwar auch einarbeiten muss, wir alle müssen uns aber auch daran gewöhnen, dass nach 26 Jahren jemand anderes nun das Sagen hat“. Dieser Prozess werde sicherlich seine Zeit benötigen. Die politischen Gremien und die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Ulrichstein sollten dem neuen Bürgermeister die Zeit geben, sich an die neue Situation zu gewöhnen.

Überreichung von Blumen
Überreichung von Blumen und einem Weinpresent durch Stadtverordnetenvorsteher Müller an Herrn Schneider und seine Gattin

Humorisch vergleich Müller dann die Großgemeinde mit einer Schafherde. Hier gebe es zum einen die „normalen“ Schafe, die hier und da mal ausbüchsten, aber auch wieder eingefangen werden könnten. Dann gebe es auch das ein oder andere schwarze Schaf. Auch nicht schlimm, da es deutlich erkennbar sei. Viel schwieriger, sei der Umgang mit dem Wolf im Schafspelz. Meist erkenne man ihn erst dann, wenn es zu spät sei. 
„Sicherlich wird Ihnen das ein oder andere Fettnäpfchen nicht erspart bleiben, auch weil sie so manche unangenehme Entscheidung zu treffen haben, oder alte Zöpfe abschneiden wollen“, so Müller  und weiter: „Als Sportler und Marathonläufer kennen Sie es, dass es auch mal Rückschläge und Tiefphasen auf dem Weg zum Ziel gibt“. 
Neben einem regen Vereinsleben, vielen engagierten Mitmenschen und einer funktionierenden Verwaltung mit gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeitern werde er auch ein angenehmes politisches Klima vorfinden, In Ulrichstein herrscht nämlich seit vielen Jahren ein kommunalpolitischer Frieden. Denn in Ulrichstein halte man angesichts der großen und schwierigen Herausforderungen in der Zukunft wenig von persönlichen Auseinandersetzungen oder von parteitaktischen Spielereien. Müller bot im Namen aller vertretenen Fraktionen eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit an.

Ernennungsurkunden
1. Stadtrat Werner Funk überreichte die Ernennungsurkunden

„Kommunalpolitik, das ist nicht bloß Politik im Kleinen, sie hat vielmehr ein großes Gewicht“ betonte Erster Stadtrat Werner Funk vor der Überreichung der Ernennungsurkunde. Denn was in einer Kommune beschlossen und umgesetzt werde, sei unmittelbar sicht- und spürbar. Die Entscheidungen, die Parlament treffe oder die Weichen, die der Bürgermeister stelle, würden alle direkt Familien wie kulturelle Einrichtungen, Geschäfte wie Betriebe. Gegenwart und Zukunft zu gestalten, sei erklärtes Ziel von Edwin Schneider gewesen als er in die Politik ging und dieses Ziel habe ihn nun folgerichtig an die Spitze von Ulrichstein geführt. Nach Aushändigung der Ernennungsurkunde überreichte auch die Urkunde zur Ernennung zum Standesbeamten. 

Für die Bürgermeister des Vogelsbergkreises sprach Gemündens Rathauschef Lothar Bott die Glückwünsche aus. Edwin Schneider sei kein Unbekannter im Kreis der Kolleginnen und Kollegen, den er habe des Öfteren Freiensteinaus Gemeindeoberhaupt Friedel Kopp vertreten. Bott bezeichnete es als sehr gut, dass in Hessens höchst gelegener Stadt, ein Verwaltungsfachmann zum Bürgermeister gewählt worden sei. Denn es sei gut wenn man wisse, wovon man spreche und es nicht erst lernen müsse. Ein weiterer Vorteil von Edwin Schneider sei, dass er aus dem Vogelsberg komme: „Er kann direkt loslegen, er kennt die Verwaltungen und muss nicht erst große Antrittsbesuche machen“.

Ortsbeiräte
Ortsvorsteher Wolfgang Geiß (Unter-Seibertenrod) und Ortsvorsteherin Claudia Frank (Bobenhausen II) übermittelten die Glückwünsche im Namen aller Ortsbeiräte

„Die Würfel sind gefallen“ habe einmal Cäsar gesagt, auch für Ulrichstein seien am 6. November die Würfel gefallen, meinte Ortsvorsteher Wolfgang Geiß (Unter-Seibertenrod) der zusammen mit Ortsvorsteherin Claudia Frank (Bobenhausen) für alle Ortsbeiräte der Großgemeinde die Glückwünsche übermittelte und ein Präsent überreichte. Er wünschte sich namens aller Ortsbeiräte eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Stadtoberhaupt. Für die Bediensteten der Verwaltung und des Bauhofes sprach Hauptamtsleiter Hans-Joachim Thomas die Glückwünsche aus und überreichte einen Präsentkorb mit Ulrichsteiner Spezialitäten.

Übermittlung Glückwünsche
Stadtbrandinspektor Andreas Döring bei der Übermittlung der Glückwünsche

Von der kirchlichen Seite waren mit den Pfarrern Winfried Disser (Herbstein) und Mathias Bubel (Bobenhausen) sowie dem stellvertretenden Kirchenvorsteher Bernhard Jost (Ulrichstein) gleich drei Vertreter anwesend und wünschten dem neuen Amtsinhaber dass Gott ihn bei dem Schritt ins Ungewisse begleite, ihm die nötige Kraft aber auch Gelassenheit sowie Zeit und Muße zum Auftanken gebe. Stadtbrandinspektor Andreas Döring schloss sich dem Reigen dem Gratulanten an und überreichte einen Pullover der Freiwilligen Feuerwehr Ulrichstein. In Anspielung auf die Tatsache, dass Schneider die Tageseinsatzbereitschaft verstärken wolle, hatte er noch ein Schild mit der Aufschrift: „Wir sind unterwegs…., …wir sind gleich wieder für Sie da“ für die Stadtverwaltung dabei.
Glückwünsche kamen auch von allen Jagdgenossenschaften, die Jagdvorstehern Heinrich Rühl (Helpershain) übermittelte.

Abschlussrede
Abschlussrede von Bürgermeister Edwin Schneider

In seiner ersten Rede als neuer Bürgermeister der Stadt Ulrichstein dankte Schneider allen Wählerinnen und Wähler, die ihn am 6. November auf Anhieb ins Amt gewählt hatten. In zahlreichen Gesprächen habe er nichts von Gleichgültigkeit gegenüber kommunalpolitischen Fragen gespürt. Im Gegenteil, oft habe er den Eindruck gehabt, dass durch den Wahlkampf deutlich wurde, welche Möglichkeiten in der Stadt stecke und wie groß die Potenziale seien, die hier entwickelt werden könnten. Als angenehm bezeichnete er auch die Offenheit und Aufgeschlossenheit die ihm bei diesem Dialog entgegengebracht wurden. „Bei aller Vielfalt an Aufgaben die mich erwartet, werde ich im besonderen Maße bemüht sein, die gemeinsamen Belange über die Grenzen der Parteien hinweg in den Vordergrund zu stellen. Wir können es uns nicht leisten, auf unterschiedliche Anschauungen zu pochen. Es müssen Kompromisse geschlossen werden und dazu braucht man Humor und Fantasie“, so Schneider. Er widersprach Adolph von Knigge der vor über 200 Jahren behauptet habe: „Wer kein Geld hat, hat auch keinen Mut“. Im Gegenteil, wer kein Geld habe, brauche umso mehr Mut, Mut und Gestaltungswillen.

Stadtsverordnetenversammlung
Die Stadtverordnetenversammlung mit Gästen

Mit einem gemütlichen Beisammensein und vielen interessanten Gesprächen endete die Amtseinführung im Spiegelsaal des Innovationszentrums.