Vogelsberggarten Ulrichstein erhielt den Umwelt- und Innovationspreis der OVAG

Text und Bilder von Dieter Graulich

 

"Eine jetzt schon zu würdigende historische Leistung"

"Hier wird der Begriff Nachhaltigkeit praktisch veranschaulicht. Immerhin besteht dieses komplizierte Projekt seit nunmehr zehn Jahren", heißt es in der Begründung der Jury für ihre Entscheidung, den mit 5.000 Euro dotierten Umwelt- und Innovationspreis der OVAG in diesem Jahr an den Vogelsberggarten in Ulrichstein zu vergeben.

OVAG Jury
Jury-Mitgleider mit Gärtnerin Susanne Jost (2. v. links) und Ernst Happel (ganz rechts), den "Vater" des Vogelsberggartens

Am Samstagnachmittag fand nun die feierliche Überreichung des Preises im Museum im Vorwerk in Ulrichstein statt.
Vor dem offiziellen Teil fand bei recht herbstlichem Wetter eine Führung unter Leitung von Ernst Happel in dem in 600 Meter Höhe gelegenen sechs Hektar großen Vogelsberggarten statt.

Der Vogelsberggarten wurde im Jahr 2000 auf dem Schlossberg eingerichtet und beinhaltet viele verschiedene Klein- und Kleinstlebensräume.  Wie etwa heimische Wildpflanzen der Wiese, der Wegränder und Saumgesellschaften, erläutert durch Schautafeln.

OVAG Führung
Vor der offiziellen Preisverleihung gab es eine Führung durch die in 600 Metern gelegene Gartenanlage auf dem Ulrichsteiner Schlossberg

Hecken-, Gebüsch- und Waldpflanzen sowie verschiedene alte Obstbaumsorten, heimische und vor allem althergebrachte Acker-Kulturpflanzen, diese darüber hinaus in traditioneller Weise angebaut. Der Garten gibt durch die Auswahl der Pflanzen einen beispielhaften Überblick über die Jahreszeiten.

OVAG-Vorstandsvorsitzender Rainer Schwarz betonte bei seiner Begrüßung, dass man die Verleihung des 3. Umwelt- und Innovationspreises zum ersten Mal nicht in der OVAG-Zentrale in Friedberg, sondern, und dies aus gutem Grund, direkt am Ort vorgenommen habe: "Denn Lorbeer gehört natürlich jenen vielen Menschen, die ehrenamtlich hinter dem Projekt "Vogelsberggarten" stehen".

Preisverleihungs Gäste
Zahlreiche waren zur Priesverleihung in das Museum im Vorwerk gekommen

Schwarz räumte dann ein, dass der Begriff "Projekt Vogelsberggarten" nicht ganz treffen sei, denn ein Projekt sei ein gemeinsames Vorhaben auf Zeit. Ganz anders sei dies beim Vogelsbergarten. "Wer eine derartige Idee über einen so langen Zeitraum nicht nur am Leben erhält, sondern sie kontinuierlich entwickelt und ausbaut, immer wieder neue Menschen und Anhänger gewinnt, der beweise einen langen Atem, Durchhaltevermögen und eine gehörige Portion Idealismus", so Schwarz.

Dieser Langzeiterfolg zeige aber auch, dass die Idee eine mit Substanz, voller Wert sein müsse, ansonsten wäre sie in der heutigen schnelllebigen Zeit schon längst passè.

Umweltpreisverleihung
Preisverleihung von Rainer Schwarz und Thomas Ranft an Hans-Ulrich Lipphardt, Susanne Jost und Ernst Happel. Mit dabei die beiden Landtagsabgeordneten Kurt Wiegel (CDU) und Manfred Görig (SPD)

Wetterfrosch Thomas Ranft vom Hessenfernsehen hielt dann die Laudatio. Er wies darauf hin, dass immer wieder spannende und interessante Projekte für den Preis eingereicht würden. Diesmal sei man dann beim Vogelsberggarten gelandet. Schon das Bewerbungsschreiben habe beeindruckt, betonte er und zitierte einige Auszüge daraus.

Er selbst kam zu dem Ergebnis: "Kein herausgeputzter gestellter Rokkogarten im Sonntagsgewand. Bescheiden stellt er sich vor, mit viel unverfälschter Natur. Kommen Sie mit offenem Herzen und wachen Sinnen, so wird Ihnen das Walten der Natur im Einklang mit traditioneller bäuerlicher Kultur erschließen".

Ranft stellte dann auszugsweise den Monsanto-Konzern vor, der es unter anderem verbiete, Ernteerträge aus seinem Saatgut erneut auszusäen und nur Wirtschaftsinteresse im Auge habe. Völlig anders dagegen der Vogelsberggarten. Hier würde alles nachhaltig und vor allem "ehrenamtlich" bewirtschaftet.

Umweltpreis
Urkunde mit Skulptur

Die innovative Bedeutung des Projekts liege darin, dass Altes, fast Vergangenes und Vergessenes bewusst in der Gegenwart erhalten und zielgerichtet in die Zukunft gerettet werde.  "In einem so aufwendigen Vorhaben wie dem Vogelsberggarten die gegenseitige Abhängigkeit zu zeigen von Standort, heimischer Pflanzenwelt und traditioneller Bewirtschaftung auf uraltem Kulturland und dies der Bevölkerung zu vermitteln, ist eine jetzt schon zu würdigende historische Leistung", lobte er.

Die Überreichung des Preises in Höhe von 5.000 Euro mit Urkunde und Skulptur erfolget im Anschluss an Hans-Ulrich Lipphardt, den Vorsitzenden des Fördervereins Vogelsberggarten sowie an Ernst Happel, der als "Vater" des Vogelsberggartens gilt sowie an die Vogelsberggarten-Gärtnerin Susanne Jost.

Lipphardt dankte für die hohe Auszeichnung und sagte, dass dies ein schöner Erfolg für die viele ehrenamtliche Arbeit in der Gartenanlage sei.
Die Feierstunde wurde musikalisch von den Schwestern Anne, Lena und Klara Harres von der Musikkulturschule Lauterbach umrahmt.

Umweltpreisverleihung Musik
Musikalische Darbietung von den Schwestern Anne, Lena und Klara Harres von der Musikkulturschule Lauterbach