Erwin Gerhardt „Ehrenvorsitzender der Stadtverordnetenversammlung“

Bericht und Fotos: Dieter Graulich

 

40 Jahre kommunalpolitische Arbeit in Ulrichstein

Ulrichstein. „Es kommt ganz selten vor, dass ein Parlamentsvorsitzender über 32 Jahre einem solchen Gremium vorsteht und bis zum letzten Tag immer der Wertschätzung aller Kommunalpolitiker dieser Gemeinde, ob jung oder alt, sicher sein durfte“, sagte Bürgermeister Erwin Horst am Freitagabend bei der Verleihung der Ehrenbezeichnung „Ehrenvorsitzender der Stadtverordnetenversammlung“. Im Rahmen der letzten diesjährigen Stadtverordnetenversammlung in der Ständerhalle des „Museum im Vorwerk“ würdigte das Stadtoberhaupt das langjährige Engagement des Geehrten. Schon im Jahre 1968 trat Erwin Gerhardt erstmals auf die politische Bühne der damals noch selbstständigen Stadt Ulrichstein. Er gehörte dem letzten Parlament vor der Gebietsreform an. Dies bedeute gleichzeitig auch, dass Erwin Gerhardt bis zu seinem Ausscheiden 40 Jahre Parlamentarier dieser Stadt gewesen sei. Bereits der 1. Stadtverordnetenversammlung nach der Gebietsreform im Jahre 1972 habe er vorgestanden. Und danach, bis auf die Legislaturperiode 1977 bis 1981.

Übergabe Ehrenurkunde
Überreichung der Ehrenurkunde

Erwin Horst meinte in seinen weiteren Ausführungen dass die Stadtverordnetenversammlung in Ulrichstein bis heute noch immer so etwas wie eine große Familie geblieben sei. Man streite sachlich, aber doch vorsichtig, der lieben Politik wegen miteinander, versöhne sich aber auch gleich wieder. Und dies geschah alles über 32 Jahre lang unter dem Vorsitz eines Mannes, der trotzt aller politischer Einstellung stets ein friedliches und politisches Miteinander haben wollte.

Gerhardt sei in den vergangenen Jahrzehnten durch seine politische Arbeit, seine Ausstrahlung und darüber hinaus auch durch sein sonstiges gesellschaftliches ehrenamtliches Engagement in Hessens Bergstädtchen zu einer Institution geworden.

Übergabe Tischglocke
Erwin Gerhard erhält die Tischglocke, die 32 Jahre sein Begleiter war.

„Wir hatten in der Vergangenheit einen Stadtverordnetenvorsteher der früh erkannt hat, dass sture Prinzipienreiterei unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern nicht dienen kann; diese vielmehr regelmäßig einer sachgerechten Problemlösung im Wege steht. Dabei ist es nicht entscheidend Recht zu bekommen, wichtig ist doch nur das Richtige zur rechten Zeit getan zu haben“, so Horst in seiner Laudatio.

Mit Erwin Gerhardt habe die Stadt Ulrichstein einen erfahrenen Kommunalpolitiker verloren, dessen politisches Engagement sicherlich seines gleichen suche. Neben seiner politischen Berufung, könne er außerdem auf langjährige ehrenamtliche Tätigkeiten in Vereinen und Verbänden verweisen. Sein Engagement galt von 1964 bis 2003 unter anderen dem Sportverein Chattia Ulrichstein, der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, dem hiesigen Stadtverband und auch der Volksbank Ulrichstein eG wo er als Mitglied des Aufsichtsrates und zuletzt auch als Aufsichtsratsvorsitzender sich engagierte. Für sein kommunalpolitisches Engagement seien ihm bereits mehrere Auszeichnungen zugekommen. Wie zum Beispiel der Ehrenteller der Stadt Ulrichstein, der Ehrenbrief des Landes Hessen, eine Auszeichnung der Stadt Ulrichstein für 25-jähriges kommunalpolitisches Engagement und zuletzt eine Auszeichnung und Ehrung für seine 25-jährige ehrenamtliche Tätigkeit als Stadtverordnetenvorsteher.

Nach der Überreichung der Urkunde gab es Standing Ovation von der Stadtverordnetenversammlung und den zahlreichen Gästen.

Ehrenurkunde von Heinz Seibert
Vom Hessischen Städte- und Gemeindebund gab es eine Ehrenurkunde, die dessen stellvertretender Vorsitzender Heinz Seibert überreichte.

Der neue Stadtverordnetenvorsteher Heiko Müller gratulierte im Anschluss und zeigte in seiner Rede eine beachtliche Bilanz der Arbeit seines Vorgängers auf. So habe Gerhardt in den 282 Stadtverordnetensitzungen während der 32-jährigen Dienstzeit nicht ein einziges Mal gefehlt. Die vor genannten Sitzungen hätten zusammengerechnet 520 Stunden und zehn Minuten gedauert. Die erste Sitzung war 12. Januar 1972, die längste dauerte drei Stunden und 35 Minuten und die kürzeste ganze 20 Minuten. Als Erinnerung an diese Sitzungen überreichte er ihm die Tischglocke, die ihn all die Jahre hin begleitet habe.

Eine Dankes- und Ehrenurkunde überreichte der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, der Stadtverordnetenvorsteher und Gemeindevertretervorsitzenden für den Regierungsbezirk Giessen im Hessischen Städte- und Gemeindebund, Heinz Seibert in seinem Grußwort.

Dem Reigen der Gratulanten und Redner schlossen sich dann Dr. Ernst-Ludwig Roth (SPD), Dr. Holger Knopp (CDU) und Klaus-Dieter Semmler (FDP/FWG) für die drei im Parlament vertretenen Fraktionen an.

In seinen Dankesworten ging Gerhardt auf die zwei wichtigsten Ziele ein, die er sich zu Beginn seiner parlamentarischen Arbeit gesteckt habe: Den Bau einer Mehrzweckhalle und ein Schwimmbad in Ulrichstein.

Alles sei inzwischen erledigt und in allen Stadtteilen, außer Unter-Seibertenrod und Kölzenhain gebe es Dorfgemeinschafthäuser in der bereits zweiten Generation. Mit den Worten „40 Jahre Kommunalpolitik sind genug, sie waren schön“ schloss der Ehrenvorsitzende der Stadtverordnetenversammlung seine Rede. (dg)

Standing Ovation
Standing Ovation der Stadtverordnetenversammlung und der Gäste